Hamsterrad

Fünfmal in der Woche reihe ich mich auf der Autobahn in die Blechlawine ein und muss gar nicht erst in die Gesichter der anderen Fahrer schauen, um die Frustration zu spüren. Ich kann mir die leeren Blicke und das tiefe Ausatmen genauso gut auch vorstellen. Unzählige Menschen, die das hassen, was sie tun und es trotzdem tun. Menschen, die sich willenlos dem Schicksal beugen, in das sie sich hineinmanövriert haben.

Früh aufstehen zu müssen, um sich den gesamten Tag vom Blaulicht des Computers beschießen zu lassen oder so harte körperliche Arbeit zu betreiben, dass man mit Mitte vierzig ein Kissen braucht, um mit den Knien den Boden überhaupt auch nur anzuschauen. Sich dann abends nach der völlig durchgelegenen IKEA-Couch von eher mäßiger Qualität zu sehnen und dann so lange durch Netflix zu zappen, bis man im Endeffekt doch B-Promis beim Kochen zuschaut. Es ist egal, welchen Job man hat. Die triste Eintönigkeit von 9-to-5 bestimmt das Leben mehr als Familie oder Freizeit. Schließlich verbringt man auch mehr Zeit mit den Kollegen als mit den eigenen Kindern. Mal davon abgesehen, dass nach einem Arbeitstag kaum mehr Kraft übrig ist, die man den Kindern überhaupt widmen könnte oder etwas mit Freunden zu unternehmen, was einem Spaß macht.                    

Aber was soll man machen, oder? Irgendwoher muss das Geld ja schließlich kommen. Erst recht in Zeiten, in denen der Sprit so teuer ist, dass der Weg zum Supermarkt schon ein halbes Vermögen kostet. Da spielt es keine Rolle, wie zufrieden man mit der eigenen Situation ist. Da kann man nur die Zähne zusammenbeißen und bis Samstag durchhalten, um wieder neue Kraft zu tanken. Die Vorstellung, montags wieder um 6.30 Uhr in den Teufelskreis zu marschieren, gibt dem Sonntag darauf leider einen faden Beigeschmack.

Ist das die Antwort?

Ist das die Antwort auf die Frage, was man aus seinem Leben machen soll? Mit seiner Unzufriedenheit zufrieden zu sein? Das klingt für mich nicht sonderlich begehrenswert. Auf ein Lebensende zuzusteuern, an dem man all das bereut, was man versäumt hat. Verloren in einer Wüste voller Fragen, die man sich nie gestellt und Möglichkeiten, die man nie ergriffen hat. Es kann doch nicht Sinn und Zweck sein, sich ein Stück Lebensfreude mit einem neuen Fernseher vorzugaukeln oder das alljährliches Mallorca-Besäufnis tatsächlich als Urlaub zu bezeichnen. Ein Leben, in dem man nie rausgefunden hat, wer man wirklich ist, ist kein Geschenk.

Das ist eine Bestrafung.

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