Hupen an der Ampel

Jeder von Euch kennt diese Situationen: Aus der Nase schnaubende Menschen in der Warteschlange im Supermarkt, die glauben, die 17-jährige Kassiererin würde schneller arbeiten, wenn sie nur möglichst laut Stöhnen. Fahrer, die einem auf der Autobahn so dicht auffahren, dass man im Rückspiegel schon ihre Nasenhaare zählen kann oder die Experten, die auf der Rolltreppe überholen, um im Endeffekt nicht einmal vier Sekunden Zeit zu gewinnen.

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MenschInnen

Ich bin kein großer Fan von Fernsehshows, erst recht nicht von „Big Brother“. Wenn wir die äußerst miserable Leistung der Moderation ausklammern, ist es bei mir aber spätestens dann vorbei, wenn mal wieder von den „BewohnerInnen“ gesprochen wird. Die westliche Gesellschaft befindet sich seit einigen Jahren schon regelrecht in einer Art Knechtschaft. Ein lyrischer Überwachungsstaat, der Acht darauf gibt, dass Du Dich ja korrekt ausdrückst. Als würde man mit dem Metalldetektor die gesamte Medienlandschaft absuchen, um auch nur den allerkleinsten Fehler aufzuspüren. Wort und Schrift werden mit Großbuchstaben und Sternchen zerschnitten und verunstaltet, als würde das die Situation irgendeines Menschen auch nur geringfügig besser machen. Für mich hat das wenig mit dem bedeutenden Ruf nach Gleichbehandlung zu tun, sondern mehr mit einer gierigen Suche nach Shitstorms.

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Hamsterrad

Fünfmal in der Woche reihe ich mich auf der Autobahn in die Blechlawine ein und muss gar nicht erst in die Gesichter der anderen Fahrer schauen, um die Frustration zu spüren. Ich kann mir die leeren Blicke und das tiefe Ausatmen genauso gut auch vorstellen. Unzählige Menschen, die das hassen, was sie tun und es trotzdem tun. Menschen, die sich willenlos dem Schicksal beugen, in das sie sich hineinmanövriert haben.

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Scheinheiliger Umweltschutz

In der Gesellschaft findet ein Umdenken statt. Die Zeiten, in denen Umweltschützer mit den Leuten gleichgesetzt wurden, die mit zerzausten Haaren im Mönchsumhang auf Straße vom Weltuntergang gefaselt haben, sind vorbei. Umweltaktivismus ist nicht mehr nur ein Hollywoodfilm mit Al Gore. Er ist auch lange keine rein wissenschaftliche Bewegung mehr, er ist emotional. Er mobilisiert die Menschen und treibt Jugendliche von den Demonstrationen auf der Straße bis vors EU-Parlament. Neben der Wichtigkeit dieser Bewegung steht für mich aber vor allem eines im Vordergrund: die Scheinheiligkeit. 

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Generation Corona

Ich kann dieses Thema nicht mehr hören. Ob man Radio hört, fernsieht oder tief im Morast einer Smalltalk-Unterhaltung versinkt, man wird mit Inzidenzwerten und dem Impfprozess ausgepeitscht. Demonstranten gegen den „Lockdown“ duellieren sich mit den Gegendemonstranten und die nächste Virologenansprache wird höchstens von Bildern einer überfüllten Wiese in Düsseldorf abgelöst. Die ganze Welt jammert über ihre eingeschränkten Rechte. Bei all den Problemen, mit denen uns die Pandemie gezwungenermaßen konfrontiert, lassen wir aber einen wichtigen Punkt außer Acht: unsere Kinder. 

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Die Macht der Statussymbole

Das Leben ist ein Spiel und unser Kontostand zeigt den Highscore an. 

So zynisch und verbittert diese Aussage auch klingt, sie trägt einen wahren Kern in sich. Teure Kleidung, dickes Auto, neues Handy. Statussymbole haben schon immer unseren Alltag geprägt. Anders kann ich mir es nicht erklären, dass Menschen sechs Tage vor dem Applestore campen, um sich das neue iPhone zu kaufen oder Maximilians Mutter mit dem Ferrari zum Elternsprechtag kommt. Ob viel Geld ein guter Austausch für 60 Stunden Arbeit pro Woche und wenig Zeit mit seiner Familie ist, kann ich genauso wenig beantworten wie die Frage, ob einen die über zwei Jahre finanzierte Louis-Vuitton-Tasche trotz Mindestlohn jetzt ein Stückchen glücklicher macht. Ich habe jedoch meine Zweifel. 

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Die kaufen davon Alkohol

Der Parkplatz vor dem Einkaufszentrum, ein Mann nähert sich. Gesenkter Blick, schneller Gang. Die Hand wird kurz gehoben und der Kopf geschüttelt. Die Bitte nach Kleingeld wird ohne eine Sekunde der Beachtung abgelehnt. 

Jeder hat diese oder eine ähnliche Situation schon erlebt. Vermutlich jeder ist schon von einem wohnungs- oder obdachlosen Menschen nach Geld gefragt worden. Ihre Existenz auf Parkplätzen oder Innenstädten wird schulterzuckend hingenommen. Das ist kein Thema, über das die Bevölkerung grübelt, im Gegenteil. Aus Großstädten werden sie oft sogar in dunkle Ecken vertrieben, um das Ansehen von touristischen Sammelplätzen nicht zu beschmutzen. Sie sind nicht so greifbar und mitleiderregend wie Kinder oder Menschen mit Behinderung. In der Bevölkerung treibt sich die Ansicht um, dass Obdachlosigkeit eine Entscheidung sei. Dass niemand in Deutschland ohne Wohnung sein muss, schließlich gibt es ja Unterstützung vom Staat.

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Ungebremst durchs Bildungsraster

In meinem Job als Sozialpädagoge in der Familienhilfe habe ich nicht nur unzählige verschiedene Familien und Kinder kennengelernt, sondern auch massig verschiedene Schulformen. Neben den Klassikern Gymnasium, Real- und Hauptschule findet man auch Förderzentren jeglicher Art, Schulen nach Montessori-Konzept oder auch die kritisch beäugten Waldorfschulen. Auf den ersten Blick sieht das nach einer ziemlichen Fülle an Angeboten aus. Die Idee, dass für jeden etwas dabei sein muss, liegt nahe.

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Funktionieren

“Allzeit bereit!“ 

Diese Redewendung ist schon sooft genutzt worden, dass sie jedem bekannt ist. Jeder hat sie schon einmal gehört und mindestens einige Male selbst verwendet. Ob nun in der Ausübung einer bestimmten Pflicht oder ironisch in einer scherzhaften Unterhaltung. Das Leben hat aber ein Schicksalsrädchen parat, in dem dieser Satz kaum zutreffender sein könnte – das Elternsein. 

Jeder Elternteil ist sich bewusst, dass Kinder mehr als ein Vollzeit-Job sind. Bei einem Vollzeit-Job kann man nach acht Stunden vor dem beschissenen Filterkaffee und den Smalltalk-Fetischisten flüchten, die man als seine Kollegen bezeichnet. So stressig selbst das schon sein mag, gibt es dort ein Ende. Einen magischen Zufluchtsort namens „Feierabend“. Das Licht am Ende des Tunnels. Und noch viel wichtiger: man kann sich krankmelden! Zuhause geht das leider nicht. Als alleinerziehende Mutter an einem Samstag kann man seinem 3-jährigen Sohn nicht sagen: „Ach, hör mal. Heute bin ich wirklich gar nicht fit. Ich würde sagen, ich bleib einfach im Bett und wir gehen fürs Wochenende getrennte Wege. AU leg ich dir Montag in dein Kinderzimmer.“        

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Das Risiko, frei zu sein

Einige Wildgänse fliegen über einen Bauernhof und treffen auf Hausgänse. Sie rufen ihnen zu: „Kommt! Fliegt mit uns!“ Die Hausgänse antworten: „Warum? Uns geht es doch gut hier.“ Die Wildgänse erwidern: „Ja, euch geht es gut. Aber seid ihr auch frei?“

FREIHEIT. Was soll das überhaupt heißen? Das ist einer dieser Begriffe, dessen Bedeutung eigentlich jeder und gleichzeig niemand kennt. Etwas, das man für sich selbst definiert. Die Vorstellung von Freiheit ist ein maßgeschneiderter Anzug, der nur mir passt. Vor der Pandemie habe ich nie wirklich über meine Beziehung zur Freiheit nachgedacht. Hätte mir jemand damals die Frage gestellt, ob ich frei bin, hätte ich ohne zu zögern mit ‚Ja‘ geantwortet. Das war für mich immer eine Schwarz-Weiß-Frage, bei der ich sofort an Unterdrückung oder Kriminalität gedacht habe. An eingesperrt sein oder nicht eingesperrt sein. Auch meine Einstellung zur Freiheit ist wie so vieles eine Erziehungssache. Diesmal ist es aber nicht nur Angelegenheit von Mutter und Vater. Es ist viel mehr als das. Es ist eine gesellschaftliche Erziehung.

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